Sind Futterzuchten notwendig? Teil 1

Natürlich kann man ein gut gepflegtes Gesellschaftsaquarium besitzen, ohne irgendeine lästige Futterzucht zu betreiben. Moderne Trockenfutter haben ein ausgewogenes Nährstoffverhältnis und sind ein brauchbarer Ersatz für natürliches Futter. Außerdem gibt es ja noch Gefrierfutter verschiedener Kleinkrebse und Insektenlarven. Nun gibt es aber viele Vereinfreunde, die sich mehr oder weniger intensiv mit der Zucht ihrer Pfleglinge beschäftigen. Dann kann es schon erhebliche Probleme bei der Beschaffung ausreichender Mengen geeigneter Futtertiere geben. Vom Pantoffeltierchen bis zu den Regenwürmern gibt es verschiedenste Tierarten, die als Fischfutter gezüchtet werden können. In den meisten Fällen ist der Aufwand beträchtlich und deshalb sind es nur wenige Aquarianer, die sich regelmäßig damit beschäftigen. Spezialliteratur darüber ist in unserer Vereinsbibliothek reichlich vorhanden. Es gibt aber zwei Futtertierarten, ohne die größere Mengen von Jungfischen kaum aufzuziehen sind, falls man nicht regelmäßig Freilandfutter fangen möchte. Da steht an erster Stelle das Salinenkrebschen (Artemia salina). Ein Kleinkrebs, dessen extrem stabile Dauerformen, die Cysten, ursprünglich an den Ufern der Salzseen Nordamerikas gesammelt wurden.

Artemiacysten

Artemiacysten

Artemia beim Schlüpfen

Artemia beim Schlüpfen

Heute gibt es diese „Salinenkrebseier" aus vielen Ländern, sicherlich handelt es sich dabei aber um andere Arten, die sich auch in der Größe unterscheiden. Da die frisch geschlüpften Frühstadien der Krebschen, die Nauplien, primär als Erstfutter für die Aufzucht von gerade freischwimmenden Fischen eingesetzt werden, sollte man auf die Größe der benutzten Cysten achten. Das ist natürlich ausschließlich bei sehr kleiner Fischbrut bedeutsam, die nur kleinste Nauplien bewältigen kann. Manchmal sind auch die zu groß, dann helfen nur die bewährten Pantoffeltierchen oder grüne Augentierchen, die beide leicht zu vermehren sind.Die Anzucht der Salinenkrebschen ist sehr einfach. Die benötigte Salzlösung wird durch Auflösen von 2 Teelöffeln Kochsalz in einem Liter abgestandenem oder zuvor durchlüftetem Leitungswasser hergestellt. Je nach Bedarf kann man bis zu 2 Teelöffel der Cysten zusetzen. In einer weißen Glasflasche wird der Kulturansatz direkt mit einem Luftschlauch, der mit etwas Blei am Boden gehalten wird, kräftig durchlüftet.Gut bewährt haben sich Flaschen von Speiseöl, die unterhalb des Halses erweitert sind.Wann die Krebschen schlüpfen, hängt nur von der Temperatur ab. Bei einem Standort  über der Heizung schwimmen die rosa Krebschen bereits nach 24 Stunden. Entfernt man den Luftschlauch, treiben die leeren Schalen an die Oberfläche, die Nauplien sammeln sich am Boden.

 

Artemianauplie

Artemianauplie

Artemianauplien

Artemianauplien

 

Man braucht dann nur noch ein Stück Luftschlauch mit Wasser füllen, mit dem Finger verschließen und das freie Ende in die Wolke der Krebschen bringen. Gibt man dann die andere Öffnung frei, werden die Futtertiere in ein geeignetes Gefäß abgehebert. Über ein Artemiasieb, das es in jeder Zoohandlung gibt, werden der Nauplien abgetrennt. Es wird empfohlen möglichst frisch geschlüpfte Salinenkrebse zu verfüttern, um den vollen Nährwert zu nutzen. An den hellgefärbten Bäuchen der Jungfische, kann man die Futteraufnahme gut kontrollieren. Man sollte sparsam füttern, obwohl die Krebschen im salzfreien Wasser mehrere Stundenüberleben.      

Viele Aquarienfreunde waren über die Schlupfergebnisse der Artemien schon enttäuscht. Beim Kauf sollte man auf die angegebene Schlupfrate und die Qualität achten. Die Aufbewahrung der Artemiacysten sollte immer im Kühlschrank erfolgen. Das Gefäß muss luftdicht verschlossen sein! Unter diesen Bedingungen sind sie über ein Jahr brauchbar.

Über die zweite Futterzucht berichten wir im nächsten Vereinsecho.

Verfasst von: G�nter Hein

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